Wie stehen die Parteien in Deutschland zu trans Menschen?
Einleitung
Diese Landingpage bietet einen aktuellen Überblick über die Positionen deutscher Parteien zum Thema Transidentität im Vorfeld der Bundestagswahl 2025. Mit dem Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) am 1. November 2024 werden Namens‑ und Geschlechtseintrag deutlich einfacher zu ändern. Der aktuelle Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht eine umfassende Evaluation bis spätestens 31. Juli 2026 vor, insbesondere im Hinblick auf Kinder und Jugendliche sowie den Schutz von Frauen.
In dieser Übersicht werden Wahlprogramme, offizielle Parteipositionen sowie der Koalitionsvertrag ausgewertet, um die wichtigsten Standpunkte zum SBGG, der Gesundheitsversorgung von trans Personen und dem Schutz vor Diskriminierung zu beleuchten.
Methodik
Die Zusammenstellung basiert auf offiziellen Wahlprogrammen der Parteien für die Bundestagswahl 2025, ihren offiziellen Internetauftritten sowie öffentlich verfügbaren Analysen. Wo Parteien Regierungsverantwortung tragen, werden zusätzlich Passagen aus dem Koalitionsvertrag berücksichtigt. Alle Aussagen beziehen sich auf den Stand März 2026.
Inhaltsübersicht
AfD und trans Menschen
Kurzfazit
Die AfD vertritt eine deutlich ablehnende Haltung gegenüber trans Personen. Sie lehnt das Selbstbestimmungsgesetz komplett ab, spricht vom „Trans‑Kult“ und will staatliche Förderungen für Transprojekte beenden. Im Wahlprogramm 2025 betont die Partei zwei biologische Geschlechter und kritisiert den Einfluss von Gender‑Theorien.
Selbstbestimmungsgesetz
Die AfD fordert die Aufhebung des Selbstbestimmungsgesetzes und will Geschlechts‑ und Namensänderungen nur nach gerichtlicher Prüfung zulassen. Pubertätsblocker sollen verboten und geschlechtsangleichende Operationen bei Minderjährigen unterbunden werden.
Gesundheitsversorgung / Transition
Geschlechtsangleichende Maßnahmen sollen nach dem Willen der AfD grundsätzlich erst ab Volljährigkeit unter strenger ärztlicher Betreuung zugelassen werden; Pubertätsblocker und irreversible Behandlungen bei Minderjährigen werden abgelehnt.
Diskriminierungsschutz
Die AfD lehnt Erweiterungen des Diskriminierungsschutzes ab und sieht im bestehenden Gleichstellungsrecht keinen Handlungsbedarf.
Quellen
BSW und trans Menschen
Kurzfazit
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) lehnt das Selbstbestimmungsgesetz ab und stellt den Schutz von Frauenrechten über das Recht auf Geschlechtsidentität. Im Wahlprogramm 2025 argumentiert die Partei, dass Männer sich als Frauen deklarieren könnten, um Zugang zu geschützten Räumen zu erhalten.
Selbstbestimmungsgesetz
Das BSW fordert die Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes. Ein Geschlechtswechsel soll nur nach Vorlage eines ärztlichen Gutachtens möglich sein.
Gesundheitsversorgung / Transition
Das Programm äußert sich kaum zu konkreten Gesundheitsfragen, betont jedoch, dass medizinische Eingriffe bei Geschlechtsangleichungen einer strengen ärztlichen Prüfung unterzogen werden sollen.
Diskriminierungsschutz
Die Partei betont den Schutz von Frauenräumen und lehnt gesetzliche Regelungen ab, die aus ihrer Sicht Frauenrechte einschränken könnten.
Quellen
Bündnis 90/Die Grünen und trans Menschen
Kurzfazit
Die Grünen vertreten eine klar pro‑trans Linie. Im Wahlprogramm 2025 setzen sie sich dafür ein, Artikel 3 GG um sexuelle und geschlechtliche Identität zu erweitern und queerfeindliche Gewalt zu bekämpfen.
Selbstbestimmungsgesetz
Das Selbstbestimmungsgesetz wird als wichtiger Schritt betrachtet. Die Grünen wollen bestehende Warteschleifen für unter 18‑Jährige abbauen und das Gesetz schützen und weiterentwickeln.
Gesundheitsversorgung / Transition
Die Partei strebt eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung an und möchte, dass geschlechtsangleichende Maßnahmen bedingungslos von den Krankenkassen übernommen werden.
Diskriminierungsschutz
Neben der Erweiterung des Grundgesetzes planen die Grünen ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen queerfeindliche Gewalt.
Quellen
CDU/CSU und trans Menschen
Kurzfazit
Die Union (CDU/CSU) zeigt sich zurückhaltend bis kritisch. Sie fordert die Überprüfung des Selbstbestimmungsgesetzes und betont den Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie Frauenräumen. Im Wahlprogramm 2025 verlangt sie psychologische Gutachten und strenge Auflagen für Minderjährige.
Selbstbestimmungsgesetz
Der Koalitionsvertrag mit der SPD sieht eine Evaluation des SBGG bis 31. Juli 2026 vor. Die Union lehnt es ab, das Gesetz ohne diese Untersuchung fortzuführen und sieht in der derzeitigen Regelung Probleme.
Gesundheitsversorgung / Transition
Für geschlechtsangleichende Operationen fordert die Union eine unabhängige psychologische Begutachtung und spricht sich gegen medizinische Eingriffe bei Minderjährigen aus.
Diskriminierungsschutz
Obwohl die Union im Koalitionsvertrag den Schutz queerer Lebensweisen erwähnt, priorisiert sie den Schutz von Frauen und Kindern; eine explizite Erweiterung des Diskriminierungsschutzes um Geschlechtsidentität wird nicht gefordert.
Quellen
Die Linke und trans Menschen
Kurzfazit
Die Linke verfolgt eine klar trans‑ und queerfreundliche Politik. Im Wahlprogramm 2025 spricht sich die Partei für eine Erweiterung von Artikel 3 des Grundgesetzes um sexuelle und geschlechtliche Identität aus und fordert den Ausbau queerfreundlicher Beratungs‑ und Hilfestrukturen.
Selbstbestimmungsgesetz
Die Linke betrachtet das Selbstbestimmungsgesetz als wichtigen Fortschritt, betont aber, dass bestehende Diskriminierungen im Gesetz beseitigt werden müssen. Gefordert werden die Streichung von Wartefristen und der zwölfmonatigen Sperrfrist nach einem Geschlechtswechsel.
Gesundheitsversorgung / Transition
Die Partei setzt sich für eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung ein. Beratungsangebote sollen ausgebaut und die Kosten für geschlechtsangleichende Maßnahmen von den Krankenkassen übernommen werden.
Diskriminierungsschutz
Die Linke fordert verstärkte Maßnahmen gegen queerfeindliche Gewalt und eine Erweiterung des Diskriminierungsschutzes in der Verfassung.
Quellen
FDP und trans Menschen
Kurzfazit
Die FDP verfolgt eine liberal‑progressive Linie. Sie setzt sich für die Bekämpfung von Diskriminierung gegenüber LSBTI ein und will den Aktionsplan „Queer leben“ vollständig umsetzen. Im Wahlprogramm 2025 fordert die Partei, Artikel 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Identität zu ergänzen und LSBTI‑feindliche Hasskriminalität einheitlich zu erfassen.
Selbstbestimmungsgesetz
Die FDP unterstützt die Evaluierung des Selbstbestimmungsgesetzes, spricht sich aber gegen Verschärfungen aus und befürwortet eine konsequente Umsetzung des Gesetzes.
Gesundheitsversorgung / Transition
Die FDP fordert eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung mit vollständiger Kostenübernahme für medizinische Maßnahmen der Transition.
Diskriminierungsschutz
Sie will LSBTI‑feindliche Gewalt erfassen und strafrechtlich konsequent verfolgen. Zudem soll der Diskriminierungsschutz im Grundgesetz verankert werden.
Quellen
SPD und trans Menschen
Kurzfazit
Die SPD positioniert sich klar pro trans und pro queer. Sie steht hinter dem Selbstbestimmungsgesetz und den bisher erreichten queerpolitischen Fortschritten. In ihrem Regierungsprogramm 2025 erklärt sie: „Ein Zurück wird es mit uns nicht geben.“
Selbstbestimmungsgesetz
Die SPD bekennt sich zum Selbstbestimmungsgesetz und will keine Rücknahme. Zugleich trägt sie die Evaluation bis 31. Juli 2026 mit, um Verbesserungen – etwa beim Schutz von Kindern – zu identifizieren.
Gesundheitsversorgung / Transition
Die SPD fordert die volle Gleichbehandlung queerer Familien und den Ausbau der Gesundheitsversorgung für trans Personen.
Diskriminierungsschutz
Sie möchte Artikel 3 GG erweitern und LSBTI‑feindliche Hasskriminalität konsequent verfolgen.
Quellen
Andere Parteien
Volt
Unter den kleineren Parteien sticht Volt hervor. Sie positioniert sich pro LSBTI und strebt die Aufnahme der Geschlechtsidentität und sexuellen Vielfalt in Artikel 3 GG an. Volt fordert den Ausbau der medizinischen und psychologischen Versorgung für trans, inter und nichtbinäre Menschen.
Zum Selbstbestimmungsgesetz gibt es keine explizite Aussage; Volt unterstützt jedoch umfassende Gleichstellungsrechte.

